05.05.2025 | 18.00 – 19.30 Uhr (hybrid)
vor Ort: Medical School Berlin, Raum 1.03, Rüdesheimer Str. 50, 14197 Berlin
Online: MS-Teams
Thema: Kognitive und emotionale Verzerrungen in der Befragung von Kindern bei Missbrauchsverdacht
Referentin: Prof. Dr. Elsa Gewehr, Hochschule Macromedia Berlin, Zentrum für Aussagepsychologie Berlin
Bei Verdacht auf sexuellen Missbrauch werden Kinder von Fachkräften diverser Professionen befragt – etwa schulischen Kontext, im Kinderschutz, oder von der Polizei. Kognitive Denkmuster und emotionale Reaktionen der Befragenden können die Qualität solcher Befragung maßgeblich beeinflussen. Der Vortrag gibt einen Überblick über einer Reihe empirischer Studien, in denen psychometrische Skalen, die individuelle Unterschiede in diesen Faktoren erfassen, entwickelt und validiert und zur Vorhersage der Befragungsqualität eingesetzt wurden. Die Ergebnisse zeigen, dass bestimmte Denkmuster und emotionale Reaktivität systematisch Urteilsverzerrungen und suggestive Frageformate begünstigen, durch gezielte Schulungen aber positiv beeinflusst werden können. Es werden praxisrelevante Implikationen diskutiert, etwa wie eine angemessene Schulung von Fachkräften zu einer möglichst objektiven und kindgerechten Befragungspraxis beitragen kann.
Abstract (PDF)
02.06.2025 | 18.00 – 19.30 Uhr (hybrid)
vor Ort: Medical School Berlin, Raum 1.03, Rüdesheimer Str. 50, 14197 Berlin
Online: MS-Teams
Thema: Verdrängung, Wiedererinnern und rituelle sexuelle Gewalt: Eine kritische Reflexion
Referent: Prof. Dr. Andreas Mokros, FernUniversität in Hagen (Fakultät für Psychologie)
Bereits in den 1980er Jahren gab es eine Flut an Anschuldigungen von sogenannter ritueller sexueller Gewalt. Vor allem in Nordamerika, aber auch in Europa traten Vorstellungen von satanistischen Geheimbünden zutage, die unzählige Kinder missbraucht oder ermordet haben sollen, wobei die überlebenden Opfer durch Gedächtnis- und Bewusstseinsmanipulation gesteuert würden. Im Zuge der Memory Wars in den 1990ern tobte dann eine Debatte zwischen Kliniker:innen und Gedächtnisforscher:innen: Können Erinnerungen an Traumata verdrängt werden – und trotzdem Jahre oder Jahrzehnte später wieder auftauchen? Letztlich setzte sich die wissenschaftliche Position durch, wonach Suggestion zu Scheinerinnerungen geführt habe – auch als Erklärung für Berichte über angebliche rituelle Gewalt, für die obendrein kriminalistisch keinerlei Nachweise gefunden werden konnte, trotz intensiver Ermittlungsarbeit. Nichtsdestotrotz ist der Mythos von der rituellen sexuellen Gewalt, angeblich in Verbindung mit intentionaler Persönlichkeitsspaltung zur Kontrolle der Opfer ("Mind Control") in den letzten Jahren wieder aufgekommen. Öffentlich geförderte Projekte schienen dem Thema Legitimation zu verleihen; einige Traumatherapeut:innen hielten die teilweise abstrusen Schilderungen für plausibel. Im Vortrag wird die Entstehungsgeschichte des Mythos von der rituellen sexuellen Gewalt beleuchtet, unter Berücksichtigung kontroverser Konzepte wie Verdrängung oder Persönlichkeitsspaltung. Als Erklärung für die Aufrechterhaltung entsprechender Überzeugungen wird auf die Tücken konfirmatorischen Denkens hingewiesen. Schließlich werden Implikationen für die Ausbildung von Psycholog:innen und Psychotherapeut:innen abgeleitet.
Abstract (PDF)